eine kleine Segler-Gemeinschaft

Erster Törn Madeira

Hallo Zusammen,

Nun wie versprochen ein kleiner Bericht von unserem Madeiratörn.

Dani und ich sind am 09.07.20 wohlbehalten auf Madeira gelandet. Auf dem Flug haben wir noch ein ganz nettes Pärchen (Theresa und Fritz) aus Saarbrücken kennen gelernt. Nach dem obligatorischem Corona-Test (da lassen die nicht mit sich spaßen) durften wir mit unserem Mietwagen zu unserem Schiffchen. Da ich natürlich die Hauptstraße verlassen habe und wir über Serpentinen bis zu unserem Liegeplatz in Calheta (Fast die maximal mögliche Entfernung auf Madeira) gefahren sind, war schon das ein Erlebnis. Die nächsten Tage haben wir mit Reparaturen am Schiff (lag ja fast 1 Jahr ohne Pflege) und Ausflügen auf der Insel verbracht. Dabei sehr viel Spaß mit Theresa und Fritz gehabt. Es hat einfach die Wellenlänge gestimmt.

Wiedersehen nach 1 Jahr

Am 14.7. wollte Wolfgang zu uns stoßen damit wir einen gemeinsamen Törn machen können. Leider kam das deutlich anders und Wolfgang hing auf der Nachbarinsel Porto Santo fest. Warum und wieso, kann er am besten selbst erzählen. Das war schon ein erstes Abenteuer. 🙂

Um Wolfgang im wahrsten Sinne etwas entgegenzukommen, haben Dani und ich uns überlegt rüber nach Porto Santo zu fahren. 60 sm sind ja zu schaffen. Da der Wetterbericht ab in der Früh am 16.07. zwischen Madeira und Porto Santo bessere (oder besser gesagt, weniger schlechte) Windverhältnisse vorhergesagt hatte, sind wir erst um ca. 0 Uhr ausgelaufen. Zusätzliche Verzögerung brachten uns völlig verbackene und sehr unschön belegte Festmacherleinen. Hier forderten die Kräfte der Herbststürme und die dann auch mal schnell notwendigen Nachbesserungen an gerissenen Tauen durch die Marineros ihren Tribut. Um den Bericht der Fahrt kurz zu fassen: Der Wetterbericht stimmte nicht, unruhige See, verknackster Knöchel, Delphine und 17 Stunden Fahrt. Dann waren wir da und legten mit Wolfgangs Hilfe an.

Am kommenden Tag machten wir einen gemeinsamen Inselseeing-Tag mit Baden am Strand, Strandbar, Einkaufen und auch Baden im Hafen. Da haben wir gleich mal das Unterschiff inspiziert und die Schraube entmuschelt. Abends gingen wir Essen in einem wunderschönen Restaurant in den Bergen mit Blick auf das Meer. Ironischer Weise stellten wir fest, dass Wolfgang von seinem Quarantänezimmer 2 Tage lang genau zu dem Restaurant geguckt hatte.

Relaxen an der Strandbar

Am 18.7. (Sonntag) segelten wir gemütlich los nach Funchal. Es war ein schöner Segeltag, zumindest bis zur Landabdeckung von Madeira. Dort mussten wir dann Motoren. Abends wollten wir in den Hafen von Funchal einlaufen, wo uns ein Freund schon einen Platz reserviert hatte. Alles gut, bis kurz vor dem Hafen die Polizei mit uns sprechen wollte. Unmissverständlich wurde uns das Anlegen untersagt. Grund waren nicht fehlende Unterlagen unsererseits, sondern einfach, dass kein Mensch aufzutreiben war, der entscheiden durfte, ob 3 getestete Deutsche an Land dürfen. Wir verbrachten die Nacht ankernd vor der Hafeneinfahrt. Aber mit super Blick auf Funchal.

Funchal bei Nacht von See aus gesehen.

Am nächste Tag liefen wir früh mangels neuer Nachrichten zu unserem Stammhafen in Calheta ab. In diesem konnten wir ohne Probleme anlegen. Lustigerweise stellte ich dann fest, dass wir um ca. 10 Uhr offiziell die Erlaubnis zum Anlegen in Funchal erhalten hätten. Da waren wir aber schon wieder weg.

Die verbleibende Zeit nutzen wir für Sightseeing an Lan. Da hat Madeira immer was zu bieten. Besonders interessant war der Pico do Arieiro. Das ist einer der höchsten Berge von Madeira. Und hoch ist wirklich hoch. Vom Meer bis über den Wolken in wenigen Stunden.

Leider musste uns Wolfgang dann schon wieder verlassen. Die Zeit vergeht immer so schnell, wenn man Spaß zusammen hat.

Ein paar Tage darauf ergab sich die Gelegenheit mit unserem auf Madeira lebenden Freund Michael einen Törn zu den Islas desiertas (unbesiedelte Nachbarinseln) zu unternehmen. Diese begann etwas abenteuerlich, weil wir eine Mooring in der Schraube hatten. Kaum angekommen, durfte Michael also gleich tauchen und uns befreien.

Der restliche Hinweg verlief moderat mit Windstärke bis 5. Angekommen bekamen wir eine klasse Führung durch einen Ranger. Die Inseln sind wirklich ein Zeugnis der sehr rauen und ungebändigten Naturkräfte. Auf diese Art aber wunderschön.

Die Southern-Chancer an der Boje vor den Islas desertas

Bei unserem Rückweg am nächsten Tag zeigte sich nach dem Verlassen der Bojenbucht starker Wind und Wellen. Beides ziemlich genau aus Nord. Der Windmesser zeigte Böen bis 45 kn. Es handelte sich wohl um einen lokalen Effekt entlang der Küste der Islas desiertas. Mag sein, dass eine gewisse Ungenauigkeit unseres Windmessers vorliegt, aber selbst wenn der um 5-10 kn falsch gehen sollte: das hatten die Wetterdaten mal nicht so deutlich vorhergesagt.

Windvorhersage für den 25.7.20. Mittig die Islas desiertas. Westlich Madeira, im Norden Porto Santo

War auf jeden Fall ein Stück Arbeit sich hier raus zu arbeiten. Der Rest, inclusive Flautenbereich südlich von Madeira, stimmten wenigstens. Im Flautenbereich überhitze dann noch der Motor, weil ein Impeller gerissen war. Ein Tag mit Abwechslung. Um ca. 22 Uhr waren wir glücklich zurück im Hafen.

Nach diesem Kurztörn haben wir noch ein paar Streifzüge über die Insel unternommen und die verbleibende Zeit genutzt um weitere Ausbesserungen am Schiff zu machen oder machen lassen. (Ölen Holz, Motorcheck- und wartung, Nachnähen Lazybags und Sprayhood,…) So ein Schiff ist halt wie ein Haus: immer was zu tun.

Und dann kam am 30.7. der Tag des Abschiedes von Madeira. Aber ich bin ja bald wieder da. Und wer weiss, du, der das hier gerade liest ja vielleicht auch.

Handbreit

Michi

2 Kommentare

  1. Wolfgang
    Wolfgang

    Porto Santo, 14./15. Juli 2020
    TUIFLY hätte es fast geschafft, 4 Stunden Flug von Hannover nach Funchal. Die Passagiere in Corona-Abstand. Ich als Alleinreisender habe 3 Sitze für mich. Die Pärchen haben ebenfalls 3 Sitze, einer bleibt frei zum Gang. Alle müssen Masken tragen. Die leichte Bewölkung gewährt einen schönen Ausblick auf Meer und Insel. Unser Flugkapitän kündigt 20 Minuten in einer Warteschleife an. Der Wind am Airport Funchal sei zu stark, wir warten auf nachlassenden Wind. Aus 20 Minuten werden 40. Wir kreisen zwischen den Inseln Madeira und Porto Santo. Ein lauter tätowierter Herr hinter mir flucht immer wieder beim Einleiten einer neuen Runde. Er könne nicht mehr sitzen. So ginge es nicht weiter. Er hätte uns wahrscheinlich geopfert. Beim Endanflug hätten wir uns überschlagen. Das traurige Ende einer Reise. Der Airport Funchal ist als besonders gefährlich bekannt.
    Nach 60 Minuten in der Warteschleife kündigt der Kapitän die Landung auf der Nachbarinsel Porto Santo an. Dies klappt auf Anhieb. Es folgt eine kurze Bedenkzeit im Cockpit. Der Kapitän tritt ans Mikrofon und teilt seine Entscheidung mit: Wir können auf Porto Santo nicht übernachten, und die Landung auf Funchal Airport wird in der Nacht nicht möglich sein. Wir fliegen jetzt zurück nach Hannover, übernachten dort auf Kosten von TUI und machen morgen Nachmittag einen zweiten Versuch.
    Helle Begeisterung – es wird noch lauter in der Maschine: Ich will hier raus. Das geht ja gar nicht. Angeblich stehen auf Porto Santo nicht genug Hotelzimmer zur Verfügung. Ich schlage der Stewardess vor, am Strand zu übernachten. Sie will mitmachen. Das fliegende Volk diskutiert eine weitere Stunde, und der Kapitän prüft diverse Lösungsmöglichkeiten. Währenddessen wird die Maschine vollgetankt.
    Letztendlich stellt der Kapitän jedem frei, das Flugzeug zu verlassen. Natürlich auf eigenes Risiko und eigene Kosten. Ungefähr die Hälfte der Fluggäste steigt aus, um die laue Atlantikluft zu schnuppern. Wir laufen in der Abendsonne über das Flugfeld hin zum Terminal. Ein kleiner gemütlicher Flughafen. Zwei Verkehrsmaschinen parken hier. Sie haben sich den Luftraum über Madeira geteilt. Die Registrierung der ausgestiegenen Urlauber und die Abholung des Gepäcks kosten eine weitere Stunde.
    Freundliches Personal in Corona-Schutzbekleidung leitet uns durch das Gebäude zur Corona-Teststation. Die einreisenden Urlauber werden getrennt in 2 Gruppen: Mensch ohne Coronatest bzw. Mensch mit vorliegendem schriftlichen negativen Coronatest. So werde auch ich endlich meinen ersten Coronatest absolvieren. In jedes Nasenloch wird ein dünnes Stäbchen bis tief ins Gehirn geführt. Tränen schießen in die Augen. Auch Grunzen ist zu hören. Zum Abschluss noch ein Wattestäbchen in den Hals bis zum Würgereiz. Auch diese belebende Prozedur kostet wieder ein Stunde Zeit.
    Das Testergebnis soll in ein bis zwei Tagen vorliegen. Wir werden per Email informiert. Solange müssen wir quasi in Quarantäne. Unter Strafandrohung rät man uns, die Vorschriften zu beachten. Ein wartender Bus bringt uns in das auserwählte Hotel. 23 Uhr Ortszeit treffen wir dort ein. Im Hotel Vila Baleira **** steht uns eine Etage zur Verfügung. Große Zimmer mit Bad, Balkon, TV und WLAN sollen uns trösten. Übernachtung und Verpflegung zahlt der portugiesische Staat. Wir dürfen das Zimmer nicht verlassen. Speisen und Getränke werden nach telefonischer Bestellung auf dem Zimmer serviert.

    Morgens am 16. Juli liegt das negative Coronatest-Ergebnis per Email vor. Nach dem Frühstück checke ich aus und laufe zum Hafen. Am Horizont erkenne ich die Stahlketsch SOUTHERN CHANCER. Dani und Michi nehmen mich erschöpft in Empfang. Womit habe ich das verdient?

    Wolfgang

  2. nautilus
    nautilus

    Ja Wahnsinn!
    Dieser Kommentar alleine ist ja eigentlich schon einen Blogeintrag wert!

    Aber zum Glück ging es nach diesem holprigen Start ja besser weiter…

    Oder wie war der Rückflug?

    Joe

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